Wander-Typ und Vorerfahrung
“Ich würde mich als Urlaubswanderin oder Gelegenheitswanderin bezeichnen. Wir haben schon mal Touren mit acht Stunden Gehzeit inklusive Pausen gemacht. Ansonsten bin ich immer mal wieder vier bis fünf Stunden gewandert, etwa einmal im Jahr, aber auch nicht jedes Jahr.“

Deine Erinnerung an die Mehrtagestour auf der Reiter Alm in der Frauengruppe
Welche Augenblicke kommen dir sofort in den Kopf?
“Zuerst dachte ich an den Parkplatz, wo wir uns getroffen haben. Da hat man zum ersten Mal gesehen, wer überhaupt mitgeht, wie alt die anderen sind und was sie schon gelaufen sind. Ich habe direkt geschaut, wer nett oder lustig ist und wer mein Typ sein könnte. Dann erinnere ich mich an die Wanderung hoch zur Hütte und die Tagestour oben im Gelände. Mein Highlight war das Stück, wo wir eigentlich noch mal auf den Gipfel wollten und es dann nicht gemacht haben. Das Gelände wurde dort schwieriger und das hat mir total Spaß gemacht. Ein weiterer Moment, der mir in Erinnerung geblieben ist, war abends in der Hütte. Wir saßen in einer Frauenrunde zusammen, waren sehr gesprächig, haben viel und laut gelacht. Ich habe bemerkt, dass wir die anderen gestört haben. Ich habe kurz überlegt, ob ich etwas sagen soll, dachte mir dann aber: Nein. Wenn dort eine Runde in Lederhosen mit Bierkrügen gesessen und laut gelacht hätte, hätte es auch keiner hinterfragt – dann wäre es eben zünftig gewesen. Ich fand es cool, dass wir so eine laute Truppe waren, das hat einfach Spaß gemacht.“
Wenn du an den Moment zurückdenkst, an dem du am höchsten Punkt der Tour angekommen bist: Was ging dir in genau diesem Moment durch den Kopf?
„Oben auf dem Grasplateau ging mir gar nicht so viel durch den Kopf. Mein Moment war eher das Erlebnis davor, als wir den Steinbock gesehen haben und über das Schneefeld gegangen sind. Mir ist dabei klar geworden, dass man als normaler Wanderer gar nicht so denkt wie ein Bergmensch. Man stapft dort herum, sieht ein Schneefeld, weiß aber gar nicht, was darunter passieren kann – ob dort Löcher sind oder Wasser fließt. Ich fand es super vernünftig, dass wir nicht ganz hoch gegangen sind, auch wenn es mich im ersten Moment gefuchst hat. Ich bin eigentlich ein Steinbock im Sternzeichen, der mit dem Kopf durch die Wand will: Ich bin jetzt hier und ich wollte da hoch. Normalerweise würde ich sagen, wer nicht will, bleibt hier und ich gehe alleine weiter. Aber am Berg geht das nicht immer und das lehren mich die Berge auch immer wieder. Das kurze schwierigere Stück vor dem Plateau war mein Moment, da dachte ich: Ich habe richtig Bock auf mehr, ich will eigentlich noch mehr und ich schaffe das alles.“
Vor Deiner Mehrtagestour mit Ladiestour.bayern
Wie bist du auf unsere Bergwanderschule aufmerksam geworden und warum hast du dich gerade für eine Tour exklusiv für Frauen entschieden?
„Ich bin im Internet auf euch aufmerksam geworden, weil ich eine Alpenüberquerung machen wollte und niemanden gefunden habe, der mitgehen wollte. Wenn man nur zu zweit geht, muss es extrem passen, aber in einer Gruppe von acht Personen ist das entspannter, weil schon jmd dabei sein wird mit dem man sich versteht. Ich habe gesehen, dass ihr reine Frauengruppen anbietet und auf der Webseite erklärt habt, dass Frauen anders wandern. Das kannte ich so vorher nicht. Nach dem Telefonat mit dir war ich überzeugt, auch weil der Preis für die Reiter Alm im Vergleich zur großen Alpenüberquerung ein guter Einstieg war.“
Gab es vor der Buchung einen Moment des Zögerns (z. B. wegen der Fitness oder der Gruppendynamik)?
„Nein, für mich war das quasi der Test für meine Fitness. Ich dachte mir schon, dass ich es kann. Mein Learning war, dass ich mich richtig eingeschätzt habe. Ich hätte sicher noch drei Tage weiterlaufen können, obwohl es mir zu der Zeit nicht besonders gut ging. Ich hatte meine Tage, einen anstrengenden Umzug hinter mir und war mental am Ende. Trotzdem habe ich es geschafft, und das war die wichtigste Erkenntnis: Ich könnte auch aus dem Stand heraus sechs Tage gehen, weil ich fit bin.“
Was hat dich letztlich überzeugt, es einfach zu wagen und die Tour zu buchen?
„Es war kein richtiges Wagen, sondern eher die Entscheidung erst einemal eine Mehrtagestour zu machen, anstatt gleich die Alpenüberquerung. Du hast mich quasi im Telefonat überzeugt und gesagt: Mach erst mal das, probier es aus und dann weißt du Bescheid ob eine Alpenüberquerung was für dich ist. Das hat mich überzeugt.“
Was hat dich ursprünglich dazu bewegt, eine Mehrtagestour machen zu wollen?
„Ich wollte testen, ob ich für eine Alpenüberquerung fit genug bin. Mein Rucksack wog auf dieser Mehrtagestour sieben Kilo, und das hat mich überhaupt nicht belastet, ich konnte ihn easy tragen. Auch das Thema Reduzierung war mir wichtig: Nur eine kurze und eine lange Hose dabei zu haben und auf Dinge wie Gesichtscreme zu verzichten, weil man ja Bodylotion dabei hat. Es ging mir darum, loszulassen und sich auf das Nötigste zu reduzieren. Das habe ich jetzt gelernt, und deshalb fühle ich mich für die Alpenüberquerung gut vorbereitet.”
Organisation, Sicherheit und Führung mit Ladiestour.bayern
Wie hast du die Vorbereitung von uns im Vorfeld erlebt – vom ersten Kontakt bis zur Packliste?
„Ich habe von der Arbeit eigentlich gar nichts mitbekommen, was super war. Wenn ich selbst plane, weiß ich, wie viel Aufwand dahintersteckt, die Hütten und Wege rauszusuchen. Bei euch wurde mir das alles abgenommen, davon habe ich ja gar nichts mitbekommen. Die WhatsApp-Gruppe war klasse und das Telefonat mit dir vorab auch. Besonders cool fand ich den Abholservice vom Bahnhof mit dem Cabrio. Es war ein schönes Gefühl, dass man sich um mich kümmert, gerade weil man ohne Auto dort schwierig zum Ausgangspunkt am Wanderparkplatz kommt.”
Wie verlief für dich die Anreise zum Treffpunkt? War es leicht für dich, dich in die Gruppe einzufinden?
„Die Anreise verlief super, da ich ja abgeholt wurde. Das Kennenlernen auf dem Parkplatz, bevor wir losgegangen sind, war sehr nett und hat den Einstieg in die Gruppe leicht gemacht.“
Hast du dich jederzeit sicher gefühlt?
“Ja!”
Wie wurde mit unterschiedlichen Leistungsniveaus umgegangen?
„Wir sind bewusst langsam gegangen, was ich sehr positiv fand. Das war für mich eines der größten Learnings, langsam zu gehen, auch wenn man schneller könnte, weil man dann länger durchhält, oben entspannter ankommt und sich währenddessen noch unterhalten kann. Wir wollen die Tour ja genießen, wie du uns immer so schön gesagt hast. In unserer Gruppe waren wir vom Niveau her alle ziemlich ähnlich, das hat gut gepasst.“
Die Tour “Ein Wochenende auf der Reiter Alm” und die Frauengruppe
Was unterscheidet diese geführte Tour deiner Meinung nach von einer selbstorganisierten Mehrtagestour?
„Der größte Unterschied ist der Organisationsaufwand und die Verantwortung. Wenn ich selbst plane, muss ich ständig schauen, ob ich noch in der Zeit bin, wo die nächste Abzweigung ist und wie das Wetter wird. Bei einer geführten Tour kann ich einfach hinterherlaufen und genießen. Gerade bei Entscheidungen zum Wetter oder schwierigem Gelände ist es ein tolles Gefühl, die Verantwortung abgeben zu können. Man selbst denkt oft nicht wie ein Bergmensch und kann Gefahren im Gelände oder beim Wetter nicht so gut einschätzen wie ein Profi.“
Wie hast du das Anforderungsprofil deiner gewählten Tour empfunden? Hat es sich mit deinen Erwartungen gedeckt?
„Total, es hat sich mit der Ausschreibung komplett gedeckt. Du hast ja sogar noch als kleines Extra-Schmankerl eine Sonnenaufgangstour angeboten. Die habe ich aber ausgelassen, weil ich nach der ersten Nacht einfach Schlaf brauchte. Aber insgesamt hat es genau meine Erwartungen getroffen.“
Gab es auf der Strecke eine Situation oder eine Etappe, die dich besonders beeindruckt hat oder die vielleicht besonders herausfordernd war?
„Das war das kurze Stück vor dem Plateau, nachdem man den Zickzackweg hochkommt und wo wir den Steinbock gesehen haben. Das war im positivsten Sinne herausfordernd. Es war gut machbar, aber man hatte das Gefühl, wirklich weit oben zu sein. Der Ausblick dort war toll.“
Welche Etappe blieb dir landschaftlich besonders in Erinnerung?
Das war ebenfalls das Gebiet oben über der Baumgrenze beim Steinbock. Das war für mich das Coolste an der ganzen Tour.“
Welche Rolle spielt die Gemeinschaft in besonders anstrengenden Momenten?
„Da ich nie völlig am Ende meiner Kräfte war, musste mich die Gemeinschaft nicht physisch tragen, aber es läuft sich generell leichter mit anderen. Man unterhält sich und das zieht einen mit. Ich glaube, man braucht mental weniger Kraft, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist.“
Die „Ladiestouren“-Atmosphäre
Was macht für dich den Unterschied aus, wenn eine Gruppe nur aus Frauen und einer Bergwanderführerin besteht? Wie hast du die Stimmung auf den Hütten und am Berg erlebt?
„In einer reinen Frauengruppe hat man sofort andere Themen. Ich hatte meine Tage und weiß nicht, ob ich das in einer gemischten Gruppe so offen kommuniziert hätte. Ich habe da oben neben dem Wanderweg im Gebüsch mein Tampon gewechselt und es im Tütchen drei Tage lang im Rucksack mitgetragen, weil man es ja nirgendwo wegwerfen darf. Wir hatten Themen wie die Menopause und es herrschte ein extrem starkes Aufeinander-Achten. Diese Kameradschaft und Rücksichtnahme, egal ob jemand langsamer war oder ein Problem hatte, habe ich sehr intensiv empfunden.“
Wie würdest du die Atmosphäre innerhalb der Gruppe beschreiben?
„Die Atmosphäre war sehr wertschätzend. Es war ein kleiner Safe Space, in dem es für alle okay gewesen wäre, wenn jemand mal nicht mehr gekonnt hätte. Diese Rücksichtnahme war prägend.“

Wie wichtig war die Rolle deiner Bergwanderführerin für dein Sicherheitsgefühl und den Spaß an der Tour?
„Die Rolle der Bergwanderführerin war für mich das Wichtigste. Zu wissen, dass mir gar nichts passieren kann, weil Julia weiß, was sie macht, war der Schlüssel. Wenn sie sagt, wir gehen dort nicht hoch, dann hat das einen Grund. Dieses Vertrauen in die Führung war die Voraussetzung dafür, dass ich überhaupt abschalten konnte.“
Was bleibt für Dich?
Was nimmst du – jenseits von Gipfelbildern – aus dieser gemeinsamen Zeit für dich persönlich mit nach Hause?
„Ich nehme die Erfahrung mit, dass ich loslassen und mich reduzieren kann und eigentlich gar nicht viel brauche. Und vor allem die Gewissheit, dass ich fit bin. Ich hatte vor diesem Wochenende mit Umzug etc. eine stressige Zeit und obwohl ich auch noch meine Tage hatte, schaffte ich es gut. Jetzt weiß ich: Ich kann das, auch wenn es mir mal nicht so gut geht & ich zb meine Tage habe.”
Was war dein ganz persönlicher „Gänsehaut-Moment“ auf Ladiestour?
„Das war der Steinbock. Er war so nah und majestätisch. Wir waren alle ganz leise und haben nur zugeschaut. Das war ein magischer Moment.“
Wenn du deine Erfahrung in drei Worten beschreiben müsstest – welche wäre das?
„Befreiend, lustig und kraftvoll.“
Was hat die Mehrtagestour in dir verändert?
„Ich bin mutiger geworden, was alpine Touren angeht, weil ich jetzt besser einschätzen kann, was möglich ist. Ich habe gemerkt, wie gut mir dieses einfache Leben in den Bergen tut.“
Was hat diese Tour mit deinem Selbstvertrauen gemacht?
„Sie hat mein Selbstvertrauen extrem gestärkt. Ich habe gesehen, dass meine Selbsteinschätzung stimmt und dass ich mich in einer Gruppe mit fremden Plätze sehr schnell wohlfühlen und Anschluss finden kann.“

Deine heißen Tipps für Frauen, die sich für Mehrtagestouren interessieren?
Welchen Tipp hast du für alle Frauen, die noch unsicher sind, ob sie zum erstenMal eine Ladiestour buchen sollen?
„Einfach machen und nicht zu viel nachdenken. Irgendwann kommt nie. Man wird nicht jünger oder fitter, wenn man wartet. Wenn man Lust darauf hat, sollte man es jetzt tun, solange man es kann.“
Für welche Frauen würdest du diese Mehrtagestour besonders empfehlen? Muss ich als Frau „super sportlich“ sein?
„Man muss nicht super sportlich sein. Man sollte gerne draußen sein und sich gerne bewegen, aber man muss kein Profi sein. Ich empfehle es jeder Frau, die mal aus dem Alltag raus will und etwas ganz anderes erleben möchte.“
Was würdest du einer Frau sagen, die sich nicht sicher ist, ob sie das schafft? Ist die Tour auch für Alleinreisende geeignet?
„Ich würde ihr sagen, dass sie am besten mal mit dir telefoniert. Du kannst das gut einschätzen. Für Alleinreisende ist es perfekt. Ich war auch alleine dort und man ist sofort in der Gruppe integriert. Man ist eigentlich nie wirklich allein, außer man wünscht es sich kurz.“
Was möchtest Du noch sagen?
„Vor der Tour dachte ich… heute weiß ich…“
„Vor der Tour dachte ich, ich bin vielleicht nicht fit genug für so eine Belastung. Heute weiß ich, dass ich sogar noch viel mehr schaffen kann, als ich mir zugetraut habe.“
„Ich hätte nie gedacht, dass ich…“
„…dass ich so viel lachen würde mit Frauen, die ich vorher gar nicht kannte.“
„Das Beste an einer Tour nur unter Frauen ist…“
„…dass man einfach so sein kann, wie man ist. Man muss sich nicht verstellen oder irgendwem etwas beweisen.“

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